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Konferenz der Tiere am Eppendorfer Mühlenteich
Von Jutta Anders, Mutter zweier hier glücklich aufgewachsener Kinder
Jüngst traf sich zu Ostern der aufgeschreckte Familienrat der Fischreiher am Mühlenteich: ’Tag und Nacht konnte ich kein Auge zutun’, klagte der betagte Senior ‚Presslufthämmer, Schotterstein-Regen und Flutlicht brachten mich um den Schlaf’. ‚Ich leide seitdem wieder unter meiner furchtbaren Migräne’ fiel ihm die Muhme Martha ins Wort.
‚Kann mir einer erklären’ fuhr der Senior mit gestrengem Seitenblick auf die geschwätzige Tante fort ‚woher das alles kommt?’ Hier meldete sich der elegante, weitgereiste Neffe ‚Mir kam zu Ohren, dass diese schrecklichen Ungetüme da oben auf dem Bahndamm nun immer häufiger lärmend durch unser Vogelparadies rattern wollen und dafür wird ihre Piste geputzt’. Erschrocken blickten ihn alle an.
‚Seit Generationen wohnen wir nun schon hier’ ergriff jetzt der Senior wieder das Wort. ‚Einst verjagten uns die bösen Fischer von ihren Weihern, weil sie uns Karpfen, Forellen und andere Leckerbissen nicht gönnten. Damals hörten wir vom Schwanenvater Niess und begaben uns hierher und unter seine schützenden Fittiche . Unsere Familie wuchs und gedieh, wir zählen 32 Mitglieder. Sollen wir in diesem Idyll nun auch gestört werden?’ Eben schwamm ein schöner Schwan an ihnen vorüber und hatte die letzten Worte vernommen ‚auf mein Winter-Quartier kann ich auf keinen Fall verzichten, eher möchte ich sterben’ warf er elegisch ein und mit einer eleganten Kehrtwende verschwand er im weißen Party-Palais, um seinen Gefährten die böse Botschaft zu überbringen.
Nun mischte sich zaghaft ein kleiner Zaunkönig ein ‚meine Freundin, die Nachtigall, klagte bereits, dass sie des Nachts manchmal ihre eigene Stimme nicht mehr hören könne vor lauter Krach’.
‚Genau so geht’s auch der Lerche am Tag’ zwitscherte die Meise aufgeregt dazwischen. Jetzt kam ein betagtes Kaninchen herangehoppelt. Es lebte in einer kleinen Sozialwohnung direkt am Bahndamm und machte sich größte Sorgen ‚die Erschütterungen bringen mich um den Schlaf und nach jedem Spaziergang habe ich Angst, dass mein Bau zusammengestürzt ist. Früher lebte ich mit meiner ganzen Familie hier, aber die anderen wurden entweder krank oder zogen fort.’
‚Das kann doch aber nicht die Lösung sein’, sprach der kluge Rabe und rückte seine Brille zurecht ‚wir müssen kämpfen, alle zusammen und nicht nur für uns sondern auch für die vielen Kinder, die sich hier auf den Spiel- und Sportplätzen tummeln.’
Ganz außer Atem kam da das Eichhörnchen herbeigeeilt. ‚Die Menschen’, rief es, die Menschen, sie wollen sich das auch nicht gefallen lassen. Eben komme ich von meiner Wohnung bei den drei Kastanien und stellt Euch vor, da war auch ein Fischer, ein Politiker, aber der lief vor den Menschen einfach davon!’
‚Und nun denkst Du wohl’, spottete die Drossel ‚wir können dieses Stahlross auch einfach so von den Gleisen vertreiben?’
‚Ich will ja nicht unken’ mischte sich die hässliche Kröte schadenfroh ein ‚aber Ihr bekommt für Euer lautes Stahlross bestimmt keinen so schönen Tunnel wie wir’. Da ging ein Raunen durch die Schar und mit großer Neugier verfolgte man die Ankunft eines sehr seltenen Gastes aus Wilhelmshaven.
‚Ich bin ein Zauberer’ sprach atemlos vom langen Flug die Rohrdommel ’wo ich erscheine, erstehen Lärmschutzwände beinah wie von selbst’. Ein großer Jubel brach aus und alle bewunderten den langschnäbligen Magier. ‚Dann gibt es also doch noch Wunder!’ freute sich die Tierwelt und blickte hoffnungsfroh in die Zukunft.
Da kam ein kleines Mädchen vorbei und fragte zaghaft ‚gilt das Wunder denn auch für uns Kinder? Oder sind wir denn gar nichts mehr wert?’
Ja, was meint Ihr?
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