Betreff: Eklat: Fischer verließ eigene Sprechstunde
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Datum: 22. Apr 2006 09:45



Eklat: Fischer verließ eigene Sprechstunde

Eppendorf: Hitziges Wortgefecht mit Interessengemeinschaft Schienenlärm. CDU-Bundestagsabgeordneter hatte ins Restaurant "Tre Castagne" eingeladen. 100 Besucher kamen.

"Das erinnerte an die Vorlesungsstörungen in den 60er Jahren an der Uni." Einen Tag nachdem aufgebrachte Bürger seine Sprechstunde gesprengt hatten, (Abendblatt berichtete), kann sich der CDU-Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende Dirk Fischer immer noch nicht richtig beruhigen. "Das war reichlich arrogant", hieß es dagegen bei den Bürgern, die sich vor neuem Lärm an der Güterumgehungsbahn fürchten, die von Rothenburgsort und Horn über Alsterdorf, Eppendorf, Winterhude, Schnelsen bis nach Eidelstedt führt.

Was war geschehen? Fischer hatte zur Sprechstunde ins "Tre Castagne" am Eppendorfer Markt geladen. Für 20 Personen war der Saal am Donnerstag abend gemietet. Doch es kamen knapp 100, die meisten Mitglieder der Interessengemeinschaft Schienenlärm. Die Anwohner der Bahngleise wollten über die Auswirkungen des geplanten Ausbaus der Güterbahn diskutieren. Nach kurzem, hitzigen Wortgefecht verließ Fischer wütend das Restaurant. Warum es dabei zu diesem Eklat kam - darüber gibt es jetzt unterschiedliche Ansichten. Mitglieder der Interessengemeinschaft Schienenlärm werteten gestern das Verhalten als unverständlich angesichts der massiven Auswirkungen des Ausbaus: Immerhin 84 statt bisher 30 Güterzüge sollen ab 2008 über die Strecke rollen. Nachts wird nach Befürchtung der Interessengemeinschaft alle zwölf Minuten ein Zug fahren. Die Anwohner fordern daher einen besseren Lärmschutz für Wohngebiete und Kindergärten und wollten von dem CDU Politiker gleich zu Beginn der Veranstaltung wissen, wie Hamburg sich daran beteiligen wolle. Doch Fischer selbst sagt jetzt, er habe sich nicht die Tagesordnung seiner Sprechstunde diktieren lassen wollen. Es sollte zunächst um bundespolitische Themen gehen, so Fischer. "Danach hätten wir über alle anderen kommunalpolitischen Themen diskutieren können." Fischer: "Ich habe kein Problem mit dem Thema und habe mich im Bundestag ausdrücklich für mehr Lärmschutz eingesetzt."

Anders sehen das Mitglieder der Interessengemeinschaft. "Ich verstehe eine Sprechstunde nicht als Vortragsstunde", sagt etwa Monika Möller aus Alsterdorf. "Sicher war die Stimmung aufgeheizt - aber Herr Fischer wollte nur sein Standardprogramm durchziehen." Immerhin konnte der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Ekkehard Wersich hinterher die Wogen ein wenig glätten. Politiker und Bürger diskutierten dann doch noch über die Güterbahn. Ohne Fischer.

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erschienen am 22. April 2006

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